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Wann Gewerbe angemeldet werden muss und welche Berufe ausgenommen sind

Wann Gewerbe angemeldet werden muss und welche Berufe ausgenommen sind

Um herauszufinden, ob man ein Gewerbe anmelden muss, kann ein Blick in die Gewerbeordnung (GewO) geworfen werden. Darin finden sich folgende Regeln wieder: Man muss ein Gewerbe anmelden, 

  • sobald eine gewerbliche Tätigkeit aufgenommen wird.
  • sofern ein schon bestehender Gewerbebetrieb übernommen wird.
  • wenn ein Gewerbebetrieb verlegt wird (Gewerbeummeldung).
  • wenn eine neue Zweigstelle gegründet wird.
  • sobald sich die geschäftliche Ausrichtung grundlegend ändert.

Um ein Gewerbe ordnungsgemäß anzumelden, muss zuerst das Formular zur Gewerbeanmeldung ausgefüllt und zum zuständigen Ordnungsamt geschickt werden. Je nach Art des Betriebes müssen oftmals weitere Nachweise erbracht werden. Neben der reinen Neugründung eines Betriebs sieht die Gewerbeordnung darüber hinaus eine Ummeldung vor, wenn ein Gewerbe übernommen oder verlegt wird.

 

Wann eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt, lässt sich anhand folgender Fragen, angelehnt an das Einkommenssteuergesetzes (EStG), herausfinden:

  • die Tätigkeit muss selbstständig sein (eigenverantwortliches Handeln, keine Weisungsgebundenheit).
  • die Tätigkeit muss dauerhaft und langfristig auf eine Gewinnerzielung ausgerichtet sein (Kriterium der Nachhaltigkeit).
  • mit einem Gewerbe wird das Ziel verfolgt, Einnahmen zu generieren (Gewinnerzielungsabsicht).
  • mit dem Betrieb soll am Wirtschaftsverkehr teilgenommen werden (z. B. durch Lieferungen von Waren und/oder Handel).

Zu welchem Zeitpunkt muss das Gewerbe angemeldet werden?

Der Gesetzestext sagt, dass das Gewerbe angemeldet werden muss, sobald die Tätigkeit aufgenommen wird. In der Praxis empfiehlt es sich, schon vor dem eigentlichen Start den Gewerbeschein zu beantragen, sodass Rechts- und Handlungssicherheit für den/die Selbstständige:n und seine/ihre Kund:innen besteht.

 

Es ist demnach nicht legal, Gewerbe zu betreiben und es erst später anzumelden. Das kann unter anderem hohe Bußgelder und Nachzahlungen mit sich ziehen. Zudem ist es in einigen Bereichen gar nicht möglich, ohne Gewerbeschein und Erlaubnisse zu starten. In Sachen Gastronomie z. B. gelten zahlreiche Auflagen, die vor der Eröffnung zu erbringen sind. Ferner sind die so genannten Zulassungsbeschränkungen zu bedenken, die für bestimmte Gewerbe wie Bewachungsdienstleistungen, Spielbanken oder Versicherungsmakler:innen gelten. Für Handwerker:innen spielt in dieser Hinsicht die Handwerksordnung (HwO) eine zentrale Rolle.

Wird ein Gewerbeschein für ein Nebengewerbe benötigt?

Bei „Nebengewerbe“ handelt es sich um einen nicht klar definierten Begriff, der oft den Eindruck erwecken lässt, man brauche für diese Gewerbeart keine entsprechende Anmeldung. Ist die Tätigkeit erlaubt und dauerhaft auf Gewinn ausgerichtet, so muss sie auch angemeldet werden. Übrigens müssen ebenso nebenberufliche Einnahmen bei der Steuererklärung angegeben werden. Für das Finanzamt spielt die Höhe der Einkünfte grundsätzlich keine entscheidende Rolle, zumal durch Freibeträge für einen sozialen Ausgleich gesorgt wird. Nebengewerbetreibende werden durch Freibeträge gezielt vor hohen Ausgaben geschützt.

 

Zudem kann es sein, dass jemand im Nebengewerbe mehr verdient als ein:e hauptgewerblich:e Tätige:r. Die Differenzierung macht demnach in der Praxis wenig Sinn, zumal sich Nebengewerbetreibende durch die Anmeldung alle Tore für einen Wachstumskurs offen halten und irgendwann ganz von diesem Gewerbe leben können, sofern sie dies anstreben.

Gewerbeanmeldung für freie Berufe?

Für Freiberufler:innen ist keine Gewerbeanmeldung erforderlich. Für diese Berufsgruppen gelten auch bei der Buchführung erleichterte Regeln, sodass eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) bei der jährlichen Steuererklärung im Grunde ausreicht. Zu den so genannten freien Berufen zählen insbesondere künstlerische, lehrende und ärztliche Tätigkeiten bzw.

 

Fachdienstleistungen. Typische Beispiele für Freiberufler:innen sind Künstler:inen, Ärzt:innen, Heilpraktiker:innen, Rechtsanwält:innen, Hebammen oder Autor:innen. Einen Gewerbeschein brauchen diese Selbstständigen nicht, dafür aber eine spezifische Begabung, die oft eine bestimmte Qualifikation voraussetzt. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium kann so ein sehr sicheres Mittel sein, um den Status Freiberufler:in vom Finanzamt gewährt zu bekommen.

Gewerbeanmeldung für Tätigkeiten in der Urproduktion?

Neben den angesprochenen freien Berufen ist auch die so genannte Urproduktion von der Gewerbepflicht ausgenommen. Es handelt sich dabei um Tätigkeiten im Bereich der Land- und Forstwirtschaft, man denke also an Förster und Landwirte. Hier werden nicht nur Förster:innen und Landwirt:innen eingeschlossen, sondern auch Fischer:innen und Bergbauer:innen. Eine solche Tätigkeit muss natürliche auch ohne Gewerbeschein beim zuständigen Finanzamt angemeldet werden.

Fazit: Wann ein Gewerbe angemeldet werden muss

Für alle, die keinen freien Beruf ausüben oder in der Urproduktion tätig sind, ist die Gewerbeanmeldung vor der Aufnahme der Tätigkeit zwingend vorgeschrieben. Die Höhe der Einnahmen und der zeitliche Umfang spielen in der Regel keine Rolle, wenn die Tätigkeit dauerhaft und auf Gewinnerzielung angelegt ist. Sie ist dann quasi per Definition gewerblich und somit anmeldepflichtig. Jede:r angehende Selbstständige/Unternehmer:in trägt selbst die Verantwortung, allen gesetzlichen Pflichten nachzukommen. Für das Risiko der Nichtanmeldung und der daraus resultierenden Folgen (Bußgelder und Nachzahlungen) muss jede:r gerade stehen, wobei vermeintliche Unwissenheit nicht weiter hilft.

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