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Steuern für Freiberufler:innen: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Steuern für Freiberufler:innen: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Zum 31. Juli ist sie wieder fällig – auch dieses Jahr muss die Steuererklärung rechtzeitig eingereicht werden. Bei Freiberufler:innen ist das sogar Pflicht. Welche Steuern Freiberufler:innen zahlen müssen, wann sie fällig sind und was zu beachten ist, erklären wir in diesem Beitrag. Zunächst muss jedoch erläutert werden, wie man sich bei selbstständiger freiberuflicher Tätigkeit anmeldet:

Start einer freien Tätigkeit

Bevor eine freiberufliche Tätigkeit ausgeübt wird, verlangt das Finanzamt einen ausgefüllten Fragebogen, damit entsprechende Personen steuerlich erfasst werden können. Anschließend übermittelt das Finanzamt eine Steuernummer an den/die Freiberufler:in. Sollte schon vorher eine Rechnung ausstehen, kann zunächst die private Steuernummer verwendet werden. Die Angabe einer Steuernummer auf Rechnungen ist Pflicht. 

Frist bis zum 31. Juli verpasst?

Wer es nicht schafft, die Steuererklärung bis zum 31. Juli beim Finanzamt einzureichen, kann schriftlich oder telefonisch eine Fristverlängerung bis zum 30. September beantragen. Die Finanzämter sind in diesem Punkt oft sehr kulant und bewilligen eine Fristverlängerung ohne Probleme. Für den Fall, dass die Steuererklärung vom/von einer Steuerberater:in erstellt wird, gilt automatisch eine Fristverlängerung bis zum 31.12. des jeweiligen Jahres.

Was ist die EÜR?

EÜR ist die Abkürzung für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die jede:r Freiberufler:in der Steuererklärung beilegen muss. Während Kleinunternehmer:innen bis zum Jahr 2016 diese EÜR formlos an das Finanzamt übermitteln konnten, ist die amtliche Vorgabe inzwischen für alle Freiberufler:innen Pflicht. In der EÜR werden die Jahreseinnahmen mit den Ausgaben verrechnet. Die resultierende Differenz bildet die Basis zur Berechnung der Einkommensteuer.

Welche Steuern müssen Freiberufler:innen zahlen?

Die Einkommensteuer

Alle Freiberufler:innen sind einkommenssteuerpflichtig. Die Höhe der Steuerzahlungen richtet sich hier nach der Höhe des Einkommens. Im Klartext heißt das: Die zu zahlende Einkommensteuer errechnet sich aufgrund der persönlichen Einkunftsquellen. Der Blick richtet sich auf den Gewinn, der aus der freiberuflichen Tätigkeit resultiert, also dem Umsatz abzüglich der Kosten. Das Steuersystem in Deutschland arbeitet mit einem progressiven Steuersatz. Das heißt, wenn der Gewinn steigt, steigt auch der persönliche Steuersatz und damit die Höhe der Steuerzahlung.

 

Wer die freie Tätigkeit beim Finanzamt anmeldet, erhält automatischen einen steuerlichen Erfassungsbogen zurück. Dieser Fragebogen sollte gewissenhaft ausgefüllt werden. Besonders bei der Angabe zu den erwarteten Einkünften sollte aufgepasst werden. Sie sollten nicht zu optimistisch eingeschätzt werden, da das Finanzamt auf Grundlage dessen den Steuersatz ermittelt. Zwar bekommt man zu viel gezahlte Steuern am Ende des Jahres erstattet, jedoch muss trotzdem eine Vorauszahlung geleistet werden. Das kann die Liquidität erheblich belasten.

Keine Gewerbesteuer für Freiberufler:innen

Die meisten Existenzgründer:innen müssen zu Beginn ihrer selbstständigen Tätigkeit ein Gewerbe bei der zuständigen Behörde anmelden. Freiberufler:innen sind von der Anmeldung eines Gewerbes befreit und müssen auch keine Gewerbesteuer zahlen. Die Entscheidung, ob eine Tätigkeit ein freier Beruf ist, trifft das Finanzamt. Das gilt insbesondere, wenn es sich nicht um sogenannte „Katalogberufe“ handelt. Diese sind im Einkommensteuergesetz genau aufgelistet, wie beispielsweise Ärzt:innen, Architekt:innen oder Ingenieur:innen. Grundsätzlich sind wissenschaftliche, künstlerische, erzieherische oder schriftstellerische Tätigkeiten als freiberufliche Tätigkeiten qualifiziert.

 

Als Freiberufler:in dürfen Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit erwirtschaftet werden. Damit dabei der Status des/der Freiberufler:in nicht verloren geht, dürfen sich die verschiedenen Tätigkeiten nicht vermischen. Beispiele dafür sind Zahnärzt:innen, die nebenbei Produkte für die Zahnpflege verkaufen, oder Innenarchitekt:innen, die ihren Kund:innen Designermöbel anbieten. Die gewerbliche Tätigkeit darf keine größere Rolle einnehmen als die freiberufliche. Das Finanzamt kann die Einstufung jederzeit ändern und alle Tätigkeiten als gewerblich einstufen.

Die Umsatzsteuer

Wer nicht von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch macht, muss die Umsatzsteuer beachten. Sie ist eine weitere wichtige Steuer für Freiberufler:innen. Wirtschaftlich betrachtet ist die Umsatzsteuer eine Mehrwertsteuer, die in Deutschland auf fast alle Dienstleistungen und Waren zu zahlen ist. Dabei ist zu beachten, dass die Umsatzsteuer nur auf Umsätze anfällt, die im Inland erwirtschaftet wurden. Der Regelsteuersatz für die Umsatzsteuer liegt bei neunzehn Prozent. Für Bücher und viele Lebensmittel gilt der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.

 

Das bedeutet, dass auf alle freiberuflichen Leistungen ebenfalls die Umsatzsteuer in Höhe von neunzehn Prozent aufgeschlagen werden muss. In Ausnahmefällen – z. B. wenn es um urheberrechtlich geschützte Dienstleistungen geht – kann ebenfalls ein Steuersatz von sieben Prozent geltend werden. Die Umsatzsteuer wird einfach dem Rechnungsbetrag hinzugefügt. Dieser Betrag darf allerdings nicht einbehalten werden, sondern muss direkt an das Finanzamt abgeführt werden.

 

Nach Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit wird das Finanzamt auf die Regelmäßigkeit der Überweisung hinweisen. Während manche Freiberufler:innen die Umsatzsteuer monatlich abführen müssen, verlangt das Finanzamt von anderen eine quartalsweise Zahlung.

Die Vorsteuer

Das Gegenstück der Umsatzsteuer ist die Vorsteuer. Vorsteuer entsteht, wenn als Freiberufler:in etwas gekauft wurde oder eine Rechnung für eine Dienstleistung aussteht. Die hier bezahlte Umsatzsteuer kann bei der regelmäßigen Umsatzsteuervoranmeldung gegen die zu zahlende Umsatzsteuer gerechnet werden. 

Wie wird die Steuererklärung an das Finanzamt übermittelt?

Seit dem Veranlagungszeitraum 2011 muss die Einkommensteuererklärung elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden. Die Übermittlung erfolgt über die sogenannte Elster Schnittstelle, die in vielen kommerziellen Buchhaltungsprogrammen bereits integriert ist. Alternativ bietet das Finanzamt eine  kostenfreie Elster-Formular-Software an.

Müssen Rechnungen und Belege eingereicht werden?

Rechnungen und Belege müssen nur auf Nachfrage des Finanzamts übermittelt werden. Für eine eventuelle Einsicht müssen die Belege mindestens 10 Jahre aufbewahrt werden.

Müssen auch Kleinunternehmer:innen die EÜR ausfüllen?

Seit 2017 müssen auch Kleinunternehmer:innen die Einnahmen-Überschuss-Rechnung im amtlichen Vordruck einreichen. Gegebenenfalls können Ausnahmeregelungen in Anspruch genommen werden.

Wie geht man bei einer nebenberuflichen Freiberuflichkeit vor?

Wer nicht nur freiberuflich, sondern zusätzlich angestellt ist, muss zur Steuererklärung zusätzlich die Anlage N einreichen. Die Lohnzahlungen werden zu den Einnahmen aus der freiberuflichen Tätigkeit addiert. Das berechnete Gesamteinkommen bildet dann die Grundlage zur Berechnung der Einkommensteuer.

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