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Steuererklärung: Wer muss sie abgeben und was ist zu beachten?

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Steuererklärung: Wer muss sie abgeben und was ist zu beachten?

Wer geringe Einkünfte oder hohe absetzbare Ausgaben hat, sollte in jedem Fall eine Steuererklärung erstellen. Sonst wird dem Staat grundlos Geld geschenkt. Rund 88 Prozent der Steuererklärungen für das Jahr 2017 führten zu einer Steuererstattung. Im Durchschnitt gab es 1.051 Euro zurück. Das belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Steuererklärungen lohnen sich

Wieviel Geld man für die Steuererklärung tatsächlich zurückbekommt, hängt natürlich vom persönlichen Einzelfall ab. Entscheidend ist, wie viele Steuern im Laufe des Jahres gezahlt wurden und welche Ausgaben die Steuerlast mindern können.

 

Automatisch berücksichtigt der/die Arbeitgeber:in beim Lohnsteuerabzug übrigens nur Pauschbeträge wie den Grundfreibetrag von 9.408 Euro (die Beträge beziehen sich auf das Steuerjahr 2020), die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro, die Vorsorgepauschale für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und die niedrige Sonderausgaben-Pauschale von 36 Euro.

Wer ist zur Steuererklärung verpflichtet?

Nur rund die Hälfte aller Steuerzahler:innen muss eine Steuererklärung abgeben. Dazu zählen Selbstständige, Gewerbetreibende oder Landwirt:innen. Sie müssen ihre unternehmerischen Steuererklärungen elektronisch authentifiziert übermitteln. Bei Arbeitnehmer:innen ist grundsätzlich die Einkommensteuer mit dem monatlichen Lohnsteuerabzug abgegolten, so dass viele keine Steuererklärung abgeben müssen. Lohnen kann sie sich aber dennoch in vielen Fällen. Gerade als Arbeitnehmer:in sollte geprüft werden, ob nicht zu viele Steuern gezahlt werden.

Pflicht zur Steuererklärung bei Kurzarbeit

Wer im 2021 über 410 Euro Kurzarbeitergeld bekommen hat, muss bis zum 31. Oktober 2021 eine Steuererklärung für 2020 abgeben. In vielen Fällen droht dann sogar eine Steuernachzahlung. Das gilt vor allem für diejenigen, die innerhalb eines Monats teilweise gearbeitet haben und nur für den ausgefallenen Anteil Kurzarbeitergeld bekommen haben, zum Beispiel bei Kurzarbeit 50. Dann hat der/die Arbeitgeber:in nur vom halben Gehalt Lohnsteuer einbehalten. Falls aber weitgehend regulär gearbeitet und in einzelnen Monaten ausschließlich Kurzarbeitergeld bezogen wurde, kann sogar auf eine Steuererstattung gehofft werden.

Wer freiwillig eine Steuererklärung abgeben sollte

Viele Arbeitnehmer:innen (und die meisten Rentner:innen) müssen gar keine Steuererklärung abgeben. Viele ersparen sich daher die Arbeit – und verschenken Geld. Sinnvoll ist die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung auf jeden Fall, wenn ein:e Arbeitnehmer:in hohe berufliche Ausgaben, also Werbungskosten hatte. 1.000 Euro beträgt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag, den viele schnell ausschöpfen. Lagen die beruflichen Ausgaben darüber, dann lohnt sich eine Steuererklärung. 

Mit Werbungskosten viel rausholen 

Wer als vollzeitbeschäftigte:r Mitarbeiter:in täglich eine einfache Wegstrecke von 15 Kilometern zum Arbeitsplatz zurücklegt, überschreitet bereits mit seinen Fahrtkosten die Werbungskostenpauschale. Für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte darf nur die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer angesetzt werden. Dabei zählen nur die einfache Wegstrecke und die Tage, an denen tatsächlich zum Arbeitsplatz gefahren wurde.

 

Deshalb können viele Arbeitnehmer:innen, die 2020 im Homeoffice gearbeitet haben, deutlich weniger Fahrtkosten geltend machen. Falls für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Jahr 2020 insgesamt mehr ausgegeben wurde als die berechnete Entfernungspauschale, sollten stattdessen die tatsächlichen Ticketkosten angesetzt werden. Das gilt auch, wenn Jahres- oder Monatskarten weniger genutzt werden konnten als erwartet. Zahlreiche andere abzugsfähige Posten können das steuerpflichtige Einkommen weiter drücken. Dazu gehören z. B.: 

  • Sonderausgaben
  • Gezahlte Kirchensteuer
  • Vorsorgeaufwendungen wie die Sozialversicherungsbeiträge 
  • Aufwendungen für die Altersvorsorge 
  • Spenden
  • Kinderbetreuungskosten und Schulgeld.

Bis wann und wo muss die Steuererklärung abgeben werden?

Wer eine Steuererklärung abgeben muss, muss sich an die allgemeine gesetzliche Abgabefrist halten. Für die Einkommenssteuererklärung 2020 endet sie eigentlich am 2. August 2021. Wegen der Corona-Pandemie gibt es jedoch in diesem Jahr ausnahmsweise drei Monate mehr Zeit. Weil aber der 31. Oktober auf einen Sonntag fällt, muss die Steuererklärung 2020 erst bis zum 1. November 2021 beim Finanzamt sein. Einen Tag mehr Zeit gibt es in den Bundesländern, in denen Allerheiligen ein Feiertag ist, also in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Wer von einem/einer Steuerberater:in oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützt wird, muss die Erklärung sogar erst bis zum 31. Mai 2022 beim Finanzamt einreichen.

Verlängerung des Abgabetermins zur Steuererklärung

Falls der Abgabetermin nicht eingehalten werden kann, sollte vorher beim zuständigen Finanzamt schriftlich eine Fristverlängerung beantragt werden. Dabei sollte eine Begründung aufgezeigt und ein neuer Termin vorgeschlagen werden. Eine längere Krankheit, fehlende Belege oder ein Umzug könnten triftige Gründe sein. Hier kann man das Finanzamt bitten, die Fristverlängerung zu bestätigen. Hier ist man allerdings auf die Kulanz angewiesen – es besteht kein Anspruch auf eine Verlängerung. Wahrscheinlich wird die Fristverlängerung nur noch in Ausnahmefällen genehmigt.

 

Schließlich ist seit 2019 für alle die allgemeine Abgabefrist um zwei Monate verlängert worden. Deshalb reagiert das Finanzamt strenger, wenn der Termin nicht eingehalten werden kann. Bislang hatten Finanzbeamt:innen einen großen Ermessensspielraum, ob sie einen Verspätungszuschlag festsetzen und wie hoch dieser ausfällt. Das hat sich geändert. 

 

Wer die Steuererklärung 2020 erst zwischen November 2021 und Mai 2022 abgibt, muss vom Finanzamt mit einem Verspätungszuschlag rechnen. Danach wird aus dem „kann“ ein „muss“. Ab Juni 2022 muss auf jeden Fall ein Verspätungszuschlag gezahlt werden. Die Höhe ist dabei ebenfalls gesetzlich geregelt. Der automatische Verspätungszuschlag beträgt 0,25 Prozent der zu zahlenden Steuer, aber mindestens 25 Euro für jeden angefangenen Monat der Versäumnis.

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