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Gewinnrücklagen erklärt: Definition, Verpflichtungen und Unterschiede

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Gewinnrücklagen erklärt: Definition, Verpflichtungen und Unterschiede

Bei einer Gewinnrücklage handelt es sich im Rechnungswesen um Jahresüberschüsse einer Kapitalgesellschaft, die nicht ausgeschüttet wurden. Sie wird also aus einbehaltenen Gewinnen gebildet und gehört buchungstechnisch zum Eigenkapital. Die Gewinnrücklagen sind Bestandteil der offenen Rücklagen. Wo diese in der Bilanz auszuweisen sind, regelt die Gliederungsvorschrift im HGB.

 

In diesem Beitrag erklären wir, was Gewinnrücklagen genau sind, wie sie im Rechnungswesen einzuordnen sind und welchen Zweck das Unternehmen mit ihnen verfolgt.

Darum sind Gewinnrücklagen wichtig

Gewinnrücklagen sind Beträge, die ein Unternehmen zu bestimmten Zwecken zurücklegt, beispielsweise, um gewisse Risiken abzusichern. Im Falle eine Verlustes kann dieses zusätzliche Haftungskapital zur Abdeckung herangezogen werden. Der Vorteil besteht darin, dass das gezeichnete Kapital dafür – zumindest vorerst – nicht verwendet werden muss.

 

Außerdem gibt es gesetzliche Vorschriften für die Bildung von Gewinnrücklagen. Im Interesse des Gläubigerschutzes haben Aktiengesellschaften, Unternehmensgesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien entsprechend sogenannte „Gesetzliche Rücklagen“ in vorgeschriebener Höhe zu bilden.

Definition: Gewinnrücklagen

Bei den Gewinnrücklagen handelt es sich um Jahresüberschüsse einer Kapitalgesellschaft, die nicht ausgeschüttet, sondern einbehalten (thesauriert) wurden. Gewinnrücklagen sind Bestandteil des Eigenkapitals. Im direkten Vergleich dazu stehen Rückstellungen. Sie werden dem Fremdkapital zugeordnet.

 

Während das Grundkapital bzw. das gezeichnete Kapital eines Unternehmens weitgehend konstant bleibt, sind Rücklagen als Teil des Eigenkapitals durchaus variabel. Gewinnrücklagen lassen sich als finanzielle Reserveposten in der Bilanz betrachten. Sie sind Teil der offenen Rücklagen und müssen laut der Gliederungsvorschrift getrennt ausgewiesen werden. So folgt dem Grundkapital zunächst die Kapitalrücklage und im nächsten Schritt die Gewinnrücklage, aufgeteilt in ihre unterschiedlichen Unterarten.

Die Arten der Gewinnrücklage

Das HGB zählt die unterschiedlichen Arten von Gewinnrücklagen vollständig auf: 

  • Die Gesetzliche Rücklage:

Demnach müssen Aktiengesellschaften (AG) und Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA) aus dem Jahresüberschuss in die gesetzliche Rücklage so lange 5 % einstellen, bis diese – mit der Kapitalrücklage zusammen – 10 % des Grundkapitals entspricht. Der Jahresüberschuss ist gegebenenfalls vorher um einen Verlustvortrag zu reduzieren.

 

Zudem sind Unternehmergesellschaften (UG) verpflichtet, 25 % des Jahresüberschusses in die gesetzliche Rücklage einzustellen. Auch dieser Jahresüberschuss ist gegebenenfalls um den Verlustvortrag zu reduzieren.

  • Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen:

Auf der Aktivseite der Bilanz ist der Betrag der entsprechenden Anteile zu ersehen. Dieser Betrag ist exakt in die Rücklage einzustellen. Werden die Anteile eingezogen oder veräußert oder wird sonst ein niedrigerer Betrag auf der Aktivseite eingestellt, ist diese Rücklage aufzulösen.

  • Satzungsmäßigen Rücklagen:

Diese Rücklagen können – sofern die Satzung des Unternehmens dies vorsieht – höher sein als die gesetzliche Rücklage.

  • Andere Gewinnrücklagen:

Bei diesen handelt es sich um eine Restgröße, die durch die genannten Rücklagevarianten nicht erfasst wird.

 

Wichtig: Die Kapitalrücklage gehört zur gesetzlichen Rücklage und wird in deren Berechnung mit einbezogen. Die satzungsmäßigen Rücklagen und die anderen Rücklagen können kein Bestandteil der gesetzlichen Rücklage sein.

Die Bildung der Gewinnrücklage

Gewinnrücklagen sind aus den Jahresüberschüssen zu bilden – aus dem soeben abgeschlossenen Geschäftsjahr oder auch aus den früheren Geschäftsjahren. Das heißt, die Gewinne werden bis zu einem gewissen Betrag nicht ausgeschüttet, sondern einbehalten. Abhängig von der Rechtsform der Unternehmen gelten unterschiedliche Vorschriften für die Bildung der Gewinnrücklage.

 

Gewinnrücklagen entstehen ausschließlich per Innenfinanzierung. Kapitalrücklagen dagegen stammen aus der Außenfinanzierung.

Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien

Für Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Bildung der gesetzlichen Rücklage; für andere und satzungsmäßige Rücklagen existiert dagegen ein Wahlrecht. Der gesetzliche Zwang zur Dotierung endet, wenn die gesetzliche Rücklage einen Anteil von 10 % am gezeichneten Kapital erreicht hat. Das HGB schreibt den Ausweis der gebildeten oder veränderten Gewinnrücklage nach dem Posten „Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag“ vor. So soll verdeutlicht werden, dass die Bildung der Gewinnrücklage als Gewinnverwendung zu verstehen ist.

Gesellschaften mit beschränkter Haftung

Die Gesellschafterversammlung kann den gesamten Jahresüberschuss in die Gewinnrücklage einstellen. In einem solchen Fall wird kein Bilanzgewinn ausgewiesen.

 

Wichtig: Der Bilanzgewinn zeigt demnach den Teil an, der nach der Ergebnisverwendung zur Ausschüttung verfügbar ist. Er zeigt nicht den tatsächlich erwirtschafteten Erfolg des Unternehmens an.

Die Auflösung der Gewinnrücklagen

Sollen die Gewinnrücklagen aufgelöst werden, sind strenge Voraussetzungen einzuhalten. So müssen die Gewinnrücklagen gemeinsam mit den Kapitalrücklagen die gesetzlich erforderlichen Rücklagen der Höhe nach erreichen. Ist dies nicht der Fall, dürfen sie lediglich genutzt werden, um einen Verlust abzudecken – und dies auch nur dann, wenn weder der Gewinnvortrag noch andere Gewinnrücklagen dafür ausreichen.

 

Wenn die Rücklagen die gesetzlich notwendige Mindestgrenze überschreiten, dürfen sie auch für die Erhöhung des Kapitals genutzt werden. Sind keine Verluste auszugleichen, dürfen die anderen Gewinnrücklagen für andere Zwecke verwendet werden, zum Beispiel zur Erhöhung des Kapitals oder auch – sofern der Jahresüberschuss dafür nicht ausreicht – zur Dividendenausschüttung.

 

Rücklagenauflösungen unterliegen einem Abführungsverbot. Das HGB ordnet explizit an, dass der Ausweis der Rücklagenauflösungen erst nach dem Posten „Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag“ erfolgen darf.

 

Es gibt lediglich eine Ausnahme von dieser Regel, und zwar für den Fall, dass während der Laufzeit eines Gewinnabführungsvertrags Beträge in andere Gewinnrücklagen eingestellt wurden. Der Grund dieser Ausnahme besteht im möglichen Anreiz, die in der Vertragszeit erwirtschafteten Gewinne auch in Gewinnrücklagen einzustellen, anstatt sie vollständig abzuführen. Diese Ausnahme zum Abführungsverbot besteht ausschließlich für die Gewinnrücklage. Die Zuführungen zur Kapitalrücklage sind hiervon nicht betroffen.

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