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Bestandsmehrung und Bestandsminderung erklärt: Wie entstehen sie?

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Bestandsmehrung und Bestandsminderung erklärt: Wie entstehen sie?

Bei der Bestandsmehrung handelt es sich konkret um eine Zunahme des Lagerbestands in der jeweiligen Rechnungsperiode. Sie tritt dann auf, wenn die Menge der produzierten Erzeugnisse die der verkauften übersteigt. Aus Sicht der Gewinn- und Verlustrechnung ist eine Bestandsmehrung als Ertrag zu betrachten.

Warum Bestandsmehrungen für die Dokumentation wichtig sind

Der betriebswirtschaftliche Erfolg muss von jedem Unternehmen in regelmäßigen Abständen detailliert ausgewiesen werden. Der Erfolgsausweis ist Teil des betrieblichen Jahresabschlusses, der sich im Allgemeinen auf ein gesamtes Geschäftsjahr bezieht. Die wichtigsten Elemente des Jahresabschlusses sind die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung.

 

In der Gewinn- und Verlustrechnung werden die Umsatzerlöse der jeweils betrachteten Rechnungsperiode den Produktionsaufwendungen gegenübergestellt. Falls die hergestellten und verkauften Mengen innerhalb dieser Rechnungsperiode identisch sind, kann das Betriebsergebnis direkt aus der Gewinn- und Verlustrechnung abgelesen werden: Es bildet die Differenz zwischen Erlösen und Aufwendungen. Dieser Fall ist in der unternehmerischen Praxis allerdings höchst unwahrscheinlich.

 

Gewöhnlich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Produktions- und Verkaufsmengen einer Rechnungsperiode. Hat das Unternehmen mehr Erzeugnisse hergestellt als verkauft, erhöht sich der Lagerbestand; es liegt eine Bestandsmehrung vor.

Wie entstehen Bestandsmehrungen?

Annähernd jedes produzierende Unternehmen wird in der Regel mehr Erzeugnisse fertigen, als es im gleichen Zeitraum absetzen kann. Produzierte Überschüsse gehen ins Lager, bis sie abgesetzt werden. Eingelagerte Produkte, die als fertige Erzeugnisse im entsprechenden Bestandskonto gebucht sind, müssen zu den Herstellkosten bewertet werden. Die ermittelten Beträge erscheinen als Ertrag im Gewinn- und Verlustkonto.

Bestandsmehrung an fertigen Erzeugnissen

Fertige Erzeugnisse sind diejenigen Produkte und Produktgruppen, die das Unternehmen selbst hergestellt hat und deren Produktionsprozess vollständig abgeschlossen wurde. Wie hoch die Herstellungskosten fertiger Erzeugnisse sind, hängt unmittelbar davon ab, welche Aufwendungen im Produktionsprozess angefallen sind. Bestandsmehrungen an fertigen Erzeugnissen können aufgrund von Trendwechseln stattfinden. Das Produkt ist aktuell weniger oder gar nicht mehr gefragt. Auch bei Saisonprodukten können Bestandsmehrungen auftreten.

Weitere Gründe für Bestandsmehrungen an fertigen Erzeugnissen sind:

  • Absatzverminderung durch Wettbewerber am Markt
  • politische Einflüsse, beispielsweise Steuererhöhungen auf bestimmte Produktgruppen

Bestandsmehrung an unfertigen Erzeugnissen

Zu den unfertigen Erzeugnissen zählen alle Produkte, die den Fertigungsprozess noch nicht vollständig durchlaufen haben und daher noch nicht zum Verkauf zur Verfügung stehen. Auch durch unfertige Erzeugnisse entstehen während der Produktion Aufwendungen.

 

Bestandsveränderungen an den unfertigen Erzeugnissen hängen direkt mit dem Herstellungsprozess zusammen. Fällt beispielsweise eine Produktionsmaschine vorübergehend aus, stagniert die Fertigung auf dieser Verarbeitungsstufe. In der vorherigen Stufe läuft die Produktion weiter, doch in den nachgelagerten Stufen stoppt sie. Auch Veränderungen in der Fertigungsstruktur können bei unfertigen Erzeugnissen zumindest vorübergehend zu Bestandsmehrungen führen.

Bestandsmehrung in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Bestandsmehrungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen erscheinen zunächst in den entsprechenden aktiven Bestandskosten, die zu Herstellungskosten zu bilanzieren sind. In der Gewinn- und Verlustrechnung bedeutet eine Bestandsmehrung ganz konkret eine erhöhte Gesamtleistung. Es handelt sich um betriebliche Leistungen, die gewisse Aufwendungen vorausgesetzt haben, jedoch noch keinen Umsatz erwirken konnten. Da sich eine Bestandsmehrung sowohl in der Bilanz als auch in der Gewinn- und Verlustrechnung auswirkt, muss sie entsprechend gebucht werden.

Bestandsminderung

Die Bestandsminderung zählt gemeinsam mit der Bestandsmehrung zu den Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen. Die Bestandsminderung beschreibt dabei konkret einen Rückgang des Lagerbestands in der jeweils betrachteten Rechnungsperiode. Eine Bestandsminderung tritt dann auf, wenn die Anzahl der verkauften Erzeugnisse, die der produzierten übersteigt. Hinsichtlich der Gewinn- und Verlustrechnung ist die Bestandsminderung als Aufwand zu betrachten. 

 

Tatsächlich unterscheiden sich die Produktions- und Absatzmengen innerhalb einer Rechnungsperiode in der Regel deutlich. Wurden mehr Produkte gefertigt als verkauft, liegt im Lager eine Bestandsmehrung vor. Werden weniger Produkte gefertigt als verkauft, reduziert sich der Lagerbestand; es liegt eine Bestandsminderung vor. Aus Sicht der Gewinn- und Verlustrechnung stellt eine Bestandsminderung einen betriebswirtschaftlichen Aufwand dar und muss zwingend als solcher gebucht werden und in die Erfolgsrechnung einfließen.

Ausführiche Definition: Bestandsminderung

Bestandsminderungen sind Rückgänge des Lagerbestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen innerhalb einer Rechnungsperiode. Das Pendant dazu sind die oben erläuterten Bestandsmehrungen. Bestandsminderungen treten auf, wenn in der betrachteten Periode mehr Erzeugnisse verkauft als produziert wurden, sodass sich der Lagerbestand reduziert. Es gibt darüber hinaus weitere Ursachen für Reduzierungen des Lagerbestandes, zum Beispiel durch Schäden verursacht oder aufgrund von Diebstählen. Diese sind jedoch keine Bestandsminderungen im eigentlichen Sinne und daher auf andere Weise zu handhaben und zu buchen.

Wie entsteht eine Bestandsminderung?

Produzierende Unternehmen verkaufen nicht unbedingt jedes Produkt sofort. In vielen Unternehmen wird auf Vorrat gefertigt, um Kund:innenanfragen zügig bedienen zu können. Die vorproduzierten Erzeugnisse werden also bis zum konkreten Bedarf bzw. bis zum Verkauf eingelagert, der Bestand erhöht sich.

 

Doch auch der umgekehrte Fall kommt durchaus vor: Es werden im betrachteten Zeitraum mehr Produkte verkauft als produziert. In diesem Fall handelt es sich um eine Bestandsminderung. Der Verkauf vorrätiger Fertigerzeugnisse erhöht die Umsatzerlöse. Doch sind diese periodenfremd, denn die eigentliche Leistung hat der Betrieb vermutlich schon mehrere Monate vorher erbracht. Zum jetzigen Zeitpunkt folgt lediglich die Rechnungsstellung und/oder der Zahlungseingang für den Verkauf.

 

Um hier klar abgrenzen und zuordnen zu können, müssen derartige Bestandsveränderungen zwingend genau festgehalten werden – sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht. Solche Informationen sind vor allem für die internen Analysen relevant: Mittels dieser Zahlen wird festgestellt, ob und in welcher Rechnungsperiode die Produktivität besonders hoch oder besonders gering war.

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